CHORISMA
   Kammerchor Neuruppin

Artikel Märkische Allgemeine 2.2.2011

NEURUPPIN - „Perfekt, Mädels“, lobt Chorleiter Dieter Winterle. Töne, Klang und Tempo stimmen in den Frauenstimmen. Weiter geht es zum nächsten Titel. Dieter Winterle gibt die Töne an. Konzentriert summen die Männer an, die Hand am Ohr, um die eigene Stimme zu überprüfen – und los geht es mit dem Lied: „Chili con carne, Chili con carne“. Winterle lässt es einmal von Anfang bis Ende durchsingen – im Stehen wie bei einem Auftritt.

Seit gut zwei Jahren leitet der Neustädter Winterle den kleinen Kammerchor „Chorisma“ mit zurzeit 14 Sängerinnen und Sängern. Der Chor nahm seinen Anfang im Sommer 2007. Der amerikanische Musikprofessor Peter Gibeau verbrachte in Berlin ein Sabbat-Jahr für ein Forschungsprojekt. Über einen gemeinsamen Bekannten lernte er Up-Hus-Chefin Gabi Lettow kennen. Er fragte die langjährige Chorsängerin nach einem Ensemble, das er für ein Jahr leiten könnte. Das kannte sie nicht, wohl aber genug Leute, die gerne und auch gut singen.

13 Leute trafen sich regelmäßig zur wöchentlichen Probe, darunter auch Tenor Dieter Winterle. Dann war das Jahr vorüber, das Abschlusskonzert vorbei, der künstlerische Leiter wieder über den großen Teich in seine Heimat zurück. Was blieb, war die Lust am Singen im kleinen Kreis. Kurzerhand übernahm Winterle die Leitung des Chores. Eine Aufgabe, die nicht ganz neu für den heute 54-Jährigen war. In seinem Musikstudium hat er Chorleitung und das Dirigieren gelernt. Als ehemaliger Sänger des Neuruppiner A-cappella-Chores hat er so manche Einstudierung übernommen. Den Ehemaligenchor des Schinkelgymnasiums begleitete er auf einer Chorreise nach Brasilien. Zudem leitet der Vater von zwei Kindern noch einen Kirchenchor in Neustadt.

Das erste Konzert des Kammerchores unter seiner Leitung kam bei Zuhörern und Sängern so gut an, dass klar war: Dieter Winterle bleibt. Das ist bis heute so. Jeden Montagabend trifft sich die Gruppe zur Probe. Im Halbkreis sitzen die Sänger unter der Kanzel der Siechenhauskapelle. Vor ihnen steht Chorleiter Winterle. Er gibt am Keyboard die Töne an, singt gegebenenfalls mit. „Sollen wir leiser singen?“ fragen die Sopranistinnen. „Nein, ihr müsst nur einfach schön singen.“ Bei aller Konzentration: Ein Scherz und herzhaftes Lachen zwischendurch darf sein. Doch schnell sammeln sich die Sänger wieder – und weiter geht es im Programm.

Etwa 20 Titel müssen noten- und textsicher einstudiert werden. Das Repertoire hat eine große Spannweite: von Renaissance bis zur Moderne über romantische Lieder von Brahms bis zu Folklore und Gospels. „Ich höre mir im Internet vergleichbare Chöre an und suche dann für uns geeignete Titel heraus“, sagt Winterle. Zwischen sechs und acht Konzerte will Chorisma in diesem Jahr geben.

Außerdem: „Einmal im Jahr streben wir ein Arbeitstreffen mit dem Calmus Ensemble an“, sagt Winterle. Der erste Workshop mit dem preisgekrönten Leipziger Chor im vergangenen Jahr hat den Neuruppinern viel gebracht. „Die sind leider viel besser als wir und sie wissen das. Aber es war eine schöne Aktion“, so  Winterle.

Aus dem ursprünglichen Kammerchor der Laurentiuskapelle wurde kurz „Chorisma“ – ein Name, der eingängig ist und Ausstrahlung und Gesang verheißt. An beidem arbeiten die Sänger in den Proben. „Das war jetzt Dur und Moll gleichzeitig, für die, die schnell nach Hause wollen“, sagt Winterle und lacht. Doch vor Probenende um 21.15 Uhr verlässt niemand den Saal. Ein Bier für die trockenen Kehlen steht bereits da. Ein Schluck, ein Resumee der Probe – dann ist Feierabend bis zum kommenden Montag, wenn es wieder heißt: „Chili con carne, Chili con carne“. (Von Dagmar Simons)


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