CHORISMA
   Kammerchor Neuruppin

Artikel Märkische Allgemeine 3.12.2012

Ein Schlaflied für das Himmelssöhnchen

NEURUPPIN - In den ersten zehn Minuten will in der Neuruppiner Siechenhauskapelle gar keine Ruhe einkehren. Die Tür geht immer wieder auf und zu. Ein Mischmasch aus heiterem Geplapper und Geklapper dringt in das Kirchlein – der eine Nachklang des ersten Weihnachtsmarkttages. Der andere hat zur Stunde in der Kapelle mit dem hauseigenen Kammerchor „Chorisma“ begonnen. Etwa 100 Marktbesucher haben sich für diesen Tagesausklang entschieden. Manch böser Blick fällt noch im Ärger über die Geräuschkulisse. Allmählich beruhigt es sich.

Entspannt von Anfang an sind die 13 Sänger und Sängerinnen von Chorisma. Als wären sie immun gegen jeden Trubel außerhalb ihres Halbkreises, sind sie mit dem ersten Lied auf Wohlklang bedacht – eine Spezialität des kleinen, feinen Neuruppiner Kammerchores, der im September seinen fünften Geburtstag feierte.

Im Herbst 2007 hatte Peter Gibeau den Chor der Sankt- Laurentius-Kapelle gegründet – eigentlich als zeitlich begrenztes Projekt für ambitionierte Laien. Als der amerikanische Musikprofessor im Jahr darauf in die Heimat zurückkehrte, stand ein gutes Dutzend Sänger da – und wollte nicht aufhören. Dieter Winterle aus Neustadt (Dosse) übernahm die Leitung. Neben Chorisma gibt er im Neustädter Kirchenchor und seit diesem Frühjahr auch im Stadtchor Kyritz den Ton an.

Chorisma hat längst ein eigenes Stammpublikum, findet aber auch immer wieder neue Fans. So ähnlich ist es mit dem Programm. Ein paar „Klassiker“ hat der Chor inzwischen, aber niemals ähnelt ein Programm dem des Vorjahres in großen Teilen. Die Sänger haben nichts gegen bekannte Melodien – aber sie mögen es nicht, ein Lied in einer Fassung zu singen, wie es auch alle anderen Chöre tun. So kommt es, dass sich das Chorisma-Ensemble unter anderem die „King’s Singers“ zum Vorbild gewählt hat. Das britische Männersextett gehört zu den besten Kammervokalensembles der Welt. Glücklicherweise macht es kein Geheimnis um seine Chorsätze – und verkauft die Noten dazu. „Maria durch ein Dornwald ging“ singt der Neuruppiner Chor also nach King’s-Singers-Art. Aber nicht nur nach diesem Lied ist der Jubel in der Siechenhauskapelle groß.

Das Programm reicht vom italienischen Frühbarock mit Monteverdi bis zur deutschen Spätromantik mit Max Reger, der dem Himmelsknaben ein Gute-Nacht-Lied schrieb: „Schlafe, schlafe, Himmelssöhnchen, schlafe.“ Auch sprachlich tritt Chorisma nicht auf einer Stelle. Französisch und Englisch sind mindestens dabei, diesmal auch ein slawisches Lied, das ein Gruß an Maria, die Mutter Jesu ist: „Bogorodiste Devo“. Dieter Winterle reicht das noch nicht. Die Zugabe „Herbei, o ihr Gläubigen“ singt sein Chor in drei Sprachen – entsprechend dem bunt gemischten Chorisma-Publikum. „Alle, die aus dem Vatikan zu uns kommen, kennen es unter ,Adeste Fideles’.

Mit Chormusik klingt auch der zweite Tag des Weihnachtsmarktes an der Siechenhauskapelle aus. Traditionell hat gestern Abend der Neuruppiner A-cappella-Chor ein kleines vorweihnachtliches Programm vom Up-Hus-Balkon gesungen. (Von Juliane Felsch)
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