CHORISMA
   Kammerchor Neuruppin

Konzertkritik 13.12.2009

Kritik zum Konzert am 13.12.2009

Klangstarker Hauschor
Das Vokalensemble der Siechenhauskapelle bescherte 120 Ruppinern anderthalb entz�ckende Stunden

NEURUPPIN - Seinen zweiten Geburtstag hat der Kammerchor der Neuruppiner Siechenhauskapelle erst gefeiert – dort tut man am Sonntag aber so, als käme gleich eine altgediente Musiklegende auf die Bühne. Über zehn Reihen hat Hausherrin Gabriele Lettow Reserviert-Schilder verteilt. Ein Problem, weil das Konzert von „Chorisma“ kostenlos ist und immer noch Scharen in die Kapelle drängen. Lindows Seniorensportgruppe hat gleich ihre ganze Weihnachtsfeier gegen den Konzertbesuch eingetauscht.

Im Herbst 2007 gründete Peter Gibeau den Chor der Laurentiuskapelle – eigentlich als zeitlich begrenztes Projekt für ambitionierte Laien. Ein Jahr später kehrte der amerikanische Musikprofessor zurück in die Heimat. Ein gutes Dutzend Sänger stand nun da und wollte nicht aufhören. Gymnasiallehrer Dieter Winterle übernahm. 

Am Sonntag ist es ihr drittes Adventskonzert; eine richtige Fangemeinde ist herangewachsen. Mit Claudio Monteverdi zum Auftakt legt das Vokalensemble los und das Publikum ist – ohne Übertreibung – vom ersten Ton an hingerissen. Kein übliches Adventskonzert hat gerade begonnen, sondern der musikalische Ausklang des jüngsten Probehalbjahrs. „Und weil wir keine Lust haben, schon im August Weihnachtslieder zu üben“, wie es Dieter Winterle erzählt, bekommen die Zuhörer am Sonntag eben umso mehr geboten.

Das Hinreißende an Chorisma ist nicht so sehr das Programm. Mozarts „Ave Verum“, das „Abendlied“ von Rheinberger, den Bach-Satz zu „Nun ruhen alle Wälder“ und den Spiritual „Soon ah will be done“ hört man öfter. Hinreißend ist, wie die zwölf Frauen und Männer klangstark bei der Sache sind, die Musik verinnerlicht haben, als wären sie doch Profis. Dass die Kapelle quasi ihr Zuhause ist, weil sie Konzert- und Probenort in einem ist, hat sicher damit zu tun. Aber das ist nicht alles. Der Kammerchor kann wohl einfach unbeschwerter musizieren als andere Ensembles im chorreichen Neuruppin. Freilich proben die Sänger hoch konzentriert – aber nicht, weil sie sich von anderen Chören unterscheiden wollen, sondern weil es ihnen Spaß macht. Konzerte geben sie, wie es in ihren Berufsalltag passt.

So frisch, wie sie an finnische Psalmvertonungen herangehen, so aufmerksam gehen sie mit neueren Sätzen wie dem „Schneeflöckchen“ von Gunther Erdmann um. Und warum nicht den amerikanischen Reißer vom betrunkenen „Uncle John“ vor der barocken Motette „Machet die Tore weit“ bringen? Das zwanglose Jonglieren mit Zeiten und Genres: Auch das lieben die Chorisma-Freunde.

Ein guter Brauch ist das Gastspiel im Seniorenwohnpark in Radensleben. Dort sang der Chor gestern noch einmal. Wie Gabriele Lettow ist auch Seniorenwohnparkchefin Jutta König Chorisma-Sängerin. (Von Juliane Felsch)

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